Populäre Irrtümer rund um den Hund

Immer noch gibt es zahlreiche Irrtümer, Sprichworte und Weisheiten über Hunde, von denen die meisten aber nicht mal halb wahr sind. Daher möchte ich in dieser Ausgabe mit ein paar der populärsten Aussagen rund um das Thema Hund aufräumen.

„Wenn der Hund mit dem Schwanz wedelt, dann ist er auf jeden Fall freundlich!“

Dieses Gerücht hält sich hartnäckig. Wer gut beobachten kann, dem ist aber vielleicht schon aufgefallen, dass da was nicht stimmen kann. Denn ein Hund der grade den Postboten strammstehen lässt, wedelt dabei nicht selten mit der Rute. Und auch ein Hund der eine Maus ausbuddelt, wedelt häufig währenddessen wie verrückt. Wir sind uns hoffentlich einig darüber, dass er die Maus nicht freundlich begrüßen möchte!? Wedeln bedeutet nämlich: Aufregung, Punkt. Was man sich stattdessen merken kann: Je kurviger die Bewegungen im Hundekörper sind, desto freundlicher ist er gestimmt. Je steifer und angespannter er sich bewegt und wedelt, desto weniger sollte man sich annähern. 

„Einem alten Hund kann man keine neuen Tricks mehr beibringen.“

Auf diesem Irrglauben beruht die Aussage vieler Halter: Das kriegt man eh nicht mehr raus, der ist schon XY Jahre alt. Wer sich darauf ausruht, der macht sich das Leben zu leicht. Natürlich ist es schwieriger, beispielsweise einer 70-Jährigen eine neue Sprache beizubringen, als einem 6-jährigen Schulkind. Aber es ist möglich. Denn Menschen lernen genau wie Hunde, ein Leben lang. Besonders beunruhigend finde ich, wenn jemand so etwas über seinen 4-, oder 6- jährigen Hund sagt. Stellt euch mal vor, sämtliche Weiterbildungsmöglichkeiten wären für Menschen ab 40 ab sofort tabu, weil zu alt. Totaler Blödsinn. Daher meine Bitte, gebt euren grauen Schnauzen eine Chance (und euer Großmutter, falls sie morgen Spanisch lernen möchte 😉 )

„Hunde, die bellen, beißen nicht.“

Naja, zumindest meistens nicht zur selben Zeit, denn mit vollem Maul soll man ja bekanntlich nicht sprechen/bellen. Ansonsten ist aber nichts Wahres dran an diesem Sprichwort.

„Der hat noch Welpenschutz.“

Wer daran glaubt geht davon aus, dass es ein allgemein gültiges Hundegesetzt (AGHG) gibt, an das sich alle Hunden weltweit konsequent halten. Welpen haben zwar bei vielen erwachsenen Hunde eine gewisse Narrenfreiheit, längst aber nicht bei allen! Hunde, die sich Welpen gegenüber weniger tolerant verhalten, haben oft keine Erfahrung mit ihnen, sind überfordert mit den Nervzwergen, oder habe sogar Angst. Andere sind gesundheitlich eingeschränkt oder haben Schmerzen. Die Wenigsten sind aber pauschal aggressiv oder unsozial.

„Wenn ein Hund Angst hat, muss man ihn ignorieren.“

(Wenn der Hund jetzt getröstet/ belohnt wird, wird die Angst verstärkt)

Stellen wir uns mal kurz vor, ihr habt Angst vor Spinnen. Nur mal ganz kurz mitmachen, bitte! Jetzt gebe ich euch 10 Euro dafür, dass ihr Angst habt. Habt ihr jetzt mehr Angst als vorher? Nein! Weil Angst eine Emotion ist. Sie wird nicht stärker nur weil ihr dafür bezahlt oder belohnt werdet. Wenn mein Hund Angst hat bin ich für ihn da und biete ihm Nähe an. ABER: Das bedeutet nicht, dass ich mich ihm aufdränge, ihn unruhig streichle oder nervös auf ihn einrede. Am besten rede ich gar nicht, sondern setzte mich zu ihm oder lade ihn zu mir ein. Wenn er Kontakt möchte, dann kann er sich nun anlehnen. 

„Wenn er einmal Blut geleckt hat…“

Mit dieser Aussage ist gemeint: Wenn der Hund einmal Erfolg beim Jagen hatte, also Beute erlegt hat, dann wird aus dem zahmen Sofawolf ein echter Killer. Dieser Mythos ist genau so alt wie unwahr. Es gibt keinen Schalter im Hundegehirn, der bei Kontakt mit Blut umgelegt wird und das Verhalten des Tieres verändert. Für interessierte „Hundenerds“ interessant:  Wenn ein Hund jagt, dann setzt das Gehirn Botenstoffe (Neurotransmitter) frei. Die Folge: Der Hund hat Spaß! Er wird in Zukunft versuchen dieses Gefühl erneut herzustellen. Ob er dabei Beute macht oder nicht, ist völlig irrelevant. Wie auch sonst erklärt es sich, dass selbst Hunde die noch nie Jagderfolg hatten, trotzdem nicht die Flinte ins Korn werfen?

Text: Julia Fuhrmann, Foto: Krischi Meier