Die alte Schule in Todtenhausen. Foto: privat

Ende und Neuanfang am Schulstandort Todtenhausen

Todtenhausen (pa). Mit dem Ende des Schuljahres 2020/21 hat die Ganztagshauptschule Todtenhausen als letzte Mindener Hauptschule ihre Pforten geschlossen. Damit endete eine Schultradition im Mindener Norden, die sich – so die Todtenhauser Dorfchronik aus dem Jahr 1978 – bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Um 1650 wurde im Bereich Kutenhausen und Todtenhausen in sogenannten Winkelschulen unterrichtet. Unterrichtet wurde von Martini (im November) bis Ostern. Unterwiesen wurden die Kinder im Rechnen und im Lesen. Im Sommer war die für die Kinder Feldarbeit angesagt.

Später wurde eine erste Schule für die Dörfer Kutenhausen und Todtenhausen, die bis 1840 einen gemeinsamen Schulbezirk bildeten, in einem einfachen Bauernhaus errichtet. Hier soll – so die Dorfchronik – der Schweizer Schriftsteller Jeremias Gotthelf übernachtet haben. 1879 erfolgte ein Schulneubau gegenüber dem Friedhof (heute Atelier Medzech) mit Lehrerwohnung und Glockenturm. Die Glocke aus dem Jahr 1653 wurde 1943 konfisziert und eingeschmolzen, bestimmte den Lebensrhythmus des Dorfes. Sie gab „Kunde bei Feier, Freude und Trauer, bei Not und Gefahr“. Somit war die Schule für Todtenhausen immer auch ein identitätsstiftender Ort, an dem nicht nur unterrichtet wurde. Am 12. Mai 1933 fand hier die letzte Sitzung des freigewählten Gemeinderats von Todtenhausen statt, in der sich die damaligen Ratsmitglieder gegen einen Ungeist auflehnten, der heute in Europa wieder hoffähig wird. 

Bis zur Schulreform im Jahr 1968 gab es hier eine Volksschule, die 1962 einen Erweiterungsbau und eine Turnhalle erhielt. Generationen von Todtenhauserinnen und Todtenhauser haben diese Schule besucht und der langjährige Bürgermeister von Todtenhausen, Christian Diekmann, war hier Schulhausmeister.

Über viele Jahre wurde hier hervorragende pädagogische Arbeit geleistet, wie der ehemalige Rektor der Schule, Harald Steinmetz, in seiner Abschiedsrede anlässlich des Auslaufens der Schule betonte. Es gab vielfältige Kooperationen mit Mindener Betrieben und sozialen Einrichtungen, die den Schülerinnen und Schülern Einblicke und Praktika in verschiedenen beruflichen Feldern ermöglichten. Dafür wurde die Schule mehrfach ausgezeichnet. Inzwischen kamen Schüler nicht nur aus dem näheren Umfeld sondern aus dem ganzen Stadtbereich. Dennoch engagierte sich eine Reihe von Todtenhauserinnen und Todtenhausern als Betreuungskräfte im offenen Ganztag und umgekehrt beteiligten sich Schülerinnen und Schüler am Dorfleben wie bei der „Aktion Saubere Landschaft“ oder bei der Pflege des Flachtenwagens. Der Name „Schule im Grünen“ war damit Markenzeichen und Programm zugleich.  Das änderte jedoch nichts daran, dass die Schule immer mehr an Akzeptanz verlor und Schülerzahlen – wie an anderen Hauptschulen auch – zurückgingen. 

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So stand die Hauptschule 2006 schon einmal zur Disposition und sollte geschlossen werden. Das konnte aber dank einer breiten Unterstützung im Dorf und dem Engagement der Todtenhauser Ratsvertreter von SPD und CDU verhindert werden. Ein neues Konzept wurde entwickelt und im Jahr 2007 startete die Schule als eine von vier gebundenen Ganztagshauptschulen in Ostwestfalen. In der Folge wurde die Schule um eine Mensa erweitert. Eine Qualitätsanalyse bescheinigte ihr 2011, die beste Hauptschule im Kreis Minden-Lübbecke zu sein. Trotz der Neukonzeptionierung und der im Kontext des Zuzugs von Flüchtlingen errichteten internationalen Förderklassen stand die Zukunft des Hauptschulstandortes in den letzten Jahren auf Grund der geringen Akzeptanz immer wieder zur Disposition.  So wurde, auf Grund der geringen Anmeldungen und trotz der hervorragenden Arbeit, gegen die Stimmen der Todtenhauser Ratsvertreter am 12. Mai 2016 der Ratsbeschluss gefasst, die Schule zum Schuljahresende 2020/21 auslaufen zu lassen.  

Nicht zuletzt auf Grund des ständigen Engagements der Todtenhauser Ratsvertreter konnte aber ein Beschluss gefasst werden, in dem der Schulstandort Todtenhausen mit neuem Mensagebäude und Turnhalle als Bildungsstandort festgeschrieben wurde. 

Nach Auffassung des ehemaligen Ratsherrn Karl-Heinz Meilwes (SPD) eine richtige und wichtige Entscheidung in Hinblick auf die dörfliche Infrastruktur. So wird zum Jahresanfang 2022 die Diakonie Stiftung Salem-Köslin mit der Evangelischen Pflegeakademie dort einziehen. Eine Entscheidung, wie der Todtenhauser SPD-Stadtverordnete Kai Piepenbrink betont, die von der Dorfgemeinschaft begrüßt wird. „Das Nachnutzungskonzept hat den Vorteil, dass die Turnhalle und gegebenenfalls auch die Mensa weiter für den Vereinssport und für Veranstaltungen genutzt werden können. Außerdem setzten wir uns als SPD dafür ein, dass in der Mitte unseres Dorfes neue Spielgeräte aufgestellt werden. Erste Gespräche dazu hat es bereits mit der Stadt Minden gegeben“, sagt Kai Piepenbrink, der sich auf die angehenden Pflegekräfte in Todtenhausen freut. Mit ihnen wird in Todtenhausen eine mehr als 500-jährige Bildungstradition fortgeschrieben.