Dienstag, 21. Mai 2024

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Renaturierung der Ösper in Maaslingen

Anfang September begannen die Baumaßnahmen zur Renaturierung der Ösper auf der Höhe von Maaslingen mit Dumpern, Baggern und einer Raupe.
Rund 27.000 Kubikmeter Erde wurden im Rahmen der Renaturierung bewegt. Foto: Dietmar Meier

Maaslingen (ddm). Ausgesprochen zufrieden zeigte sich Joachim Weike, Geschäftsführer des Wasserverbandes Weserniederung, über die Umsetzung der Baumaßnahmen zur Renaturierung der Ösper auf der Höhe von Maaslingen. Als das heimische Unternehmen Wöhler Erdbau aus Porta Westfalica Anfang September mit drei großen Dumpern, zwei Baggern und einer Raupe anrückte, wurde schnell klar, dass hier in den folgenden Tagen und Wochen einiges in Bewegung geraten würde, um der Ösper ein verändertes Bett zu geben.
Vorausgegangen waren mehr als dreieinhalb Jahre mit Untersuchungen, Vermessungen, Kartierungen und Planungen, bis schließlich ein ausgereiftes Konzept auf dem Tisch lag – das angesichts behördlicher Vorgaben und Verordnungen in den Bereichen Wasser und Boden beim Chef des Wasserverbandes sicher auch für das eine oder andere Kopfzerbrechen gesorgt haben dürfte.
Um der Ösper mehr Freiraum geben und damit im unmittelbaren Umfeld auch mehr Lebensraum für Fauna und Flora bereitstellen zu können, galt es erst einmal, die dafür benötigten Flächen zu beschaffen. Intensive Gespräche mit den Eigentümern der anliegenden Flächen führten schließlich zum gewünschten Ergebnis: Auf einer Länge von rund zwei Kilometern konnte in einem Bodenordnungsverfahren („Flurbereinigung“) auf dem Wege über Flächentausch ein 20 Meter breiter Streifen entlang der Ösper für die „Gewässerentwicklung“ gesichert werden, zuzüglich einem fünf Meter breiten Pufferstreifen zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und dem Entwicklungsraum der Ösper („Sicherheitsabstand“).
Und dann stellte sich natürlich – nicht zuletzt auch unter Kostengesichtspunkten – die Frage: wohin mit dem ganzen Bodenmaterial, das ausgebaggert werden sollte? Die Planer fanden eine elegante Lösung, eine ziemlich genau in der Mitte der Strecke gelegene Fläche am Hof Kruse in Maaslingen, von der in den 1980er Jahren Boden für den Bau der L 770 abgegraben worden war. Diese Fläche konnte nun problemlos wieder aufgefüllt werden. Und so startete das Projekt damit, dass die Baumaschinen zunächst den Mutterboden von der besagten Fläche abräumten und auf einer Halde zwischenlagerten.
Ohne Verzug ging es im Anschluss an die eigentlichen Arbeiten längs der Ösper, die zum einen eine deutliche Verbreiterung der Talsohle beinhalteten, zum anderen das Ausbaggern der eigentlichen neuen Flussrinne, weg von dem bis dato kanalartigen Verlauf der Ösper hin zu einem Geflecht von Flussschlingen (fachlich ausgedrückt Mäander, Foto oben). Angesichts der fortgeschrittenen Jahreszeit ging der Blick der Verantwortlichen dabei auch immer wieder zur Wetterkarte, sollten die umfangreichen Bodentransporte mit den voll beladenen Dumpern doch möglichst bei trockenem Wetter abgeschlossen werden, um die Fahrwege auf den Feldern und Wiesen zu schonen. Dazu kam, dass die Transporte aus dem östlichen Teilbereich auf dem Weg zur Deponiefläche auch immer die Maaslinger Straße überqueren mussten. Und tatsächlich spielte auch der Wettergott mit. Nur an zwei Regentagen mussten die Transporte wetterbedingt unterbrochen werden.
Bei regelmäßigen Besuchen auf der Baustelle war auch für uns beeindruckend zu sehen, in welchem Tempo die Arbeit voran ging und zugleich auch, mit welcher Präzision die planerischen Vorlagen vom Team Wöhler an den Joysticks der Bagger in dreidimensionale Realität im Gelände umgesetzt wurden. Und so konnte Joachim Weike Mitte Oktober, nach gut fünf Wochen des Arbeitseinsatzes entspannt vermelden: „Der Rohbau ist fertig. Jetzt werden die Türen und Fenster angelegt. Den Innenausbau macht dann die Natur selbst.“

Erste Kontrolle: Sebastian Wöhler (Fa. Wöhler, v.l.), Bernd Frohbieter (Baggerführer Fa. Wöhler), Joachim Weike (Geschäftsführer des Wasserverbandes Weserniederung) und Marco Pfeil (Ing. Büro Wasser- und Boden GmbH aus Münster). Foto: Dietmar Meier

Mit „Türen und Fenstern“ umschreibt der Geschäftsführer des Wasserverbandes hier im übertragenen Sinn eine Reihe kleinerer Maßnahmen, die die Umgestaltung abrunden sollen. Das beinhaltet unter anderem, die Einleitungsstellen der in die Ösper mündenden Nebenbäche an die veränderten Verhältnisse anzupassen und in die Ösper selbst oder auf randliche Flächen aus ökologischen Gründen Totholz, Strömungslenker oder Kiesdepots einzubringen. Ebenso muss auch der anfangs auf Halde geschobene Mutterboden wieder auf der Deponiefläche am Hof Kruse verteilt werden. Die Herrichtung der von den Fahrzeugen genutzten Randstreifen längs der Ösper wird erst im Frühjahr erfolgen.
Für den Bewuchs des umgestalten Streifens — den Innenausbau — wurden bewusst keine Pläne entwickelt. Wärend früher bei solchen Maßnahmen in der Regel Mutterboden aufgebracht und anschließend eingesät wurde, wird heute einem anderen Konzept gefolgt: „Wir wollten der Natur einfach nur Raum schaffen und die dann selbst machen lassen. Wir nehmen gerne in Kauf, noch nicht genau zu wissen, was an jeder Stelle herauskommen wird.“ Wie sich die Vegetation künftig entwickelt, dürfte auch schon deshalb interessant werden, weil die Bodenverhältnisse längs des umgestalteten Ösper-Abschnittes sehr unterschiedlich sind. Geologisch bedingt wechseln hier Tongesteine, Sand, Kies und Lehm als Hauptbestandteile der oberflächennahen Schichten immer wieder ab.
Nicht vermeiden lässt sich allerdings ein Nebeneffekt, der schon als Folge der Renaturierungsmaßnahme unterhalb des Alten Kirchweges in Petershagen dokumentiert wurde: die weitere Auffüllung des Ösperhafens mit Sedimenten. Je nach Wasserführung, insbesondere natürlich nach stärkeren Regenfällen verfrachtet die Ösper vor allem Feinsand, Schluff und Ton aus den jetzt unbewachsenen Böschungen in Richtung Hafen, wo die Sedimente bei nachlassender Strömungsgeschwindigkeit wieder abgesetzt werden. Dass dieser Prozess bereits jetzt begonnen hat, dokumentieren die typischen Sandrippeln, die sich jetzt schon stellenweise auf der Öspersohle beobachten lassen.
Bei den Finanzen läuft nach Aussage von Joachim Weike alles planmäßig: „Wir sind in jedem Fall im Budget. Sofern nicht noch irgendetwas ganz Unvorhergesehenes passiert, können wir die Maßnahme wahrscheinlich sogar noch etwas günstiger abwickeln können als geplant.“ 800.000 Euro waren für die Baumaßnahmen in der Planung angesetzt. Der größte Teil der Kosten (80 Prozent) wird durch Fördermittel des Landes gedeckt. Von den verbleibenden 20 Prozent Kommunalanteil zahlt die Stadt Petershagen Hälfte (10 Prozent). Die anderen 10 Prozent werden auf dem Ökokonto des Wasserverbandes geführt und stehen den Verbandskommunen für Ausgleichsmaßnahmen, zum Beispiel für Bebauungspläne zur Verfügung.
„Auch wenn es länger gedauert hat, alle Beteiligten haben in eine Richtung gezogen und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen“, zieht Joachim Weike eine erste Bilanz.

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Ein gerader Verlauf der Ösper vor der Renaturierung. Foto: Dietmar Meier

 

Die Ösper nach der Wiederherstellung eines möglichst natürlichen Verlaufs. Foto: Dietmar Meier
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