Simon Ochsmann und Fabian Pries vom DRK zusammen mit Landwirt Christian Niemeyer und Michele Richter nach der Rehkitzsuche. Foto: Marcus Schering

Rettung aus der Luft – Suche von Rehkitzen per Wärmebild-Drohne

Quetzen (kri). Der Einsatz von Drohnen mit Wärmebildtechnik hat sich in den letzten Jahren im Bereich der Rehkitzsuche etabliert. Bei Gründung der Drohnengruppe des DRK Petershagen/Lahde ware den Akteuren schnell klar: „Wir möchten uns diesem Thema auch gerne widmen.“

Den Landwirten bleibt vegetations- und witterungsbedingt nur ein kleines Zeitfenster, um die Wiesen zu mähen. „Landwirte haben die Pflicht, vor dem Mähen die Wiesen abzusuchen und sich zu vergewissern, dass keine Tiere dort liegen“, erzählt Marcus Schering, der nebenberuflich auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Christian Niemeyer in Quetzen arbeitet. Üblich war es bisher, dass Jäger die Wiesen durchkämmen und vor allem nach Rehkitzen absuchen. Diese Methode ist jedoch recht aufwändig. Drohnen bieten eine zeitsparendere Möglichkeit, die Grünlandflächen nach Rehkitzen abzusuchen und vor Verletzungen oder dem Mähtod zu bewahren. Trotz Einsatz der modernen Technik unmittelbar vor dem Mähen, durchkämmen Jäger im Vorfeld die Wiesen, um bereits vorab Rehe aufzustöbern und aus den Wiesen zu vergrämen.

Ein Rehkitz hat sich im hohen Gras einer Wiese versteckt. Foto: NCIS/pixabay

Mit bloßem Auge sind die Wildtiere meist nicht zu erkennen. Die Wärmebildkamera der Drohne kann aber die Tiere einfach lokalisieren. „Damit der Wärmeunterschied deutlicher sichtbar ist, haben wir zusammen mit dem DRK die Wiesen bereits um 4 Uhr morgens abgeflogen“, berichtet Marcus Schering von den Vorbereitungen zum Mähen Ende Mai. Gefunden haben sie an diesem Morgen in den abgesuchten 21 Hektar Wiese nur einige Hasen. „Die laufen von alleine weg“, fügt er hinzu. Anders ist es bei Rehkitzen. Sie werden von ihren Müttern häufig in den dichten Wiesen versteckt, um sie im hohen Gras vor Räubern zu schützen. Wenn Gefahr droht, verharren Kitze flach auf dem Boden, da sie noch keinen Fluchtinstinkt haben. Schätzungen zufolge werden jedes Jahr tausende Rehkitze beim Mähen verletzt oder sogar getötet. Doch nicht nur die Wildtiere sind gefährdet, sondern auch die Nutztiere im Stall, die mit einem Kadaver kontaminiertes Futter aufnehmen können. Durch Bakterien erzeugte Giftstoffe im Futter können zum Beispiel bei Rindern bis zum Tode führen.

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Die Rehkitzsuche in Quetzen war der erste Einsatz dieser Art für die Drohnengruppe des DRK Petershagen/Lahde. „Es hat alles wie geplant geklappt“, berichtet Lars Stehr, der zusammen mit Simon Ochsmann und Fabian Pries diesen Einsatz abgearbeitet hat. Drei Personen sind wichtig, damit neben Pilot und Luftraumbeobachter jemand den Monitor der Wärmebildkamera genau im Auge behalten kann. Die Flugstrecke wurde über GPS-Koordinaten im Vorfeld genau geplant, sodass die Drohne im Einsatz autonom geflogen ist. Dadurch kann es nicht passieren, dass kleine Bereiche nicht von der Wärmebildkamera gesehen werden. „Die Vorbereitungen dauern beim ersten Mal etwas länger. Wenn wir die gleichen Wiesen im nächsten Jahr wieder abfliegen sollen, können wir auf die gespeicherten Routen zurückgreifen und direkt starten“, berichtet Lars Stehr vom DRK, das für solche Einsätze Stundenpauschalen für die laufenden Kosten der Drohnengruppe berechnet. Um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, ist die Drohne mit Überlappung geflogen. Das heißt, jeder Berich der Wiese wurde zwei Mal von der Wärmebildkamera aufgenommen. Die Freude aller Beteiligten nach der gelundenen Premiere war groß und die Wiese konnte mit ruhigem Gewissen gemäht werden. Für die Drohnengruppe war dies erst der Anfang in diesem Jahr: „Wir haben schon weitere Anfragen und Aufträge zur Rehkitzsuche von Landwirten erhalten und freuen uns, so hoffentlich viele Wildtiere schützen zu können.“