Foto: Dietmar Meier

Ein Rückblick auf den meteorologischen Sommer

Von Dipl.-Meteorologe Friedrich Föst

Hitze und Trockenheit dominierten im Mühlenkreis das Wetter maßgeblich in diesem Sommer. Wir erlebten einen der wärmsten Sommer seit Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen. Nach 2003, 2018 und 2019 reiht sich der Sommer 2022 an der Wetterstation in Rahden (Messbeginn 1951) auf Platz 4 in der Rubrik Wärme ein. In der „Top Ten“ -Liste dieser Rubrik finden sich nur noch zwei Sommer aus dem letzten Jahrhundert und die liegen mit 1992 und 1994 dort auch im letzten Jahrzehnt. Nicht selten hört und liest man vor allem in den sozialen Netzwerken, dass es heiße und trockene Sommer früher auch schon gegeben hat, oft mit dem Hintergedanken, dass dieses Ausmaß von Hitze und Dürre entsprechend der Jahreszeit völlig „normal“ sei. Auf der einen Seite ist zwar richtig, dass es auch früher schon von Hitze und Trockenheit dominierte Sommer gab, aber sowohl deren Anzahl als auch die durchschnittlichen Temperaturen liegen deutlich unter vielen Sommern seit den 2000er Jahren und wir schreiben erst das Jahr 2022, es folgen noch 78 Sommer in diesem Jahrhundert! Ein Blick über den ostwestfälischen Tellerrand zeigt auch, dass dieses Jahr mit Hamburg noch nie so weit im Norden 40 Grad gemessen wurden. Obgleich in den kommenden Jahren auch immer mal wieder nasse und kühle, also typisch „ostwestfälische“ Sommer auftreten werden, es manifestiert sich genau das, was die Klimamodelle für die Zukunft projizieren: Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen werden zunehmen.
Insgesamt fiel der Sommer im Mühlenkreis gegenüber der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 rund 3 Grad zu warm aus, selbst nach dem neuen Klimamittel 1991 bis 2020 (Achtung: Hier steckt schon mehr als 1 Grad Erwärmung „drin“) ergibt sich noch ein Plus von 1.6 Grad. Alle Rekorde brach der August: Dieser Monat war sogar mehr als 4 Grad zu warm (Referenzperiode 1961 bis 1990) und mit Abstand der wärmste seit mindestens 130 Jahren im Mühlenkreis. Mit 19 Hitzetagen (Tage mit einer Temperatur von 30 Grad und mehr) im gesamten Sommer wurde der alte Rekord aus dem Jahr 2003 an der Wetterstation in Rahden nur knapp verfehlt, damals gab es einen Hitzetag mehr.

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Neben Hitze war die anhaltende Trockenheit ein weiteres Merkmal dieses Sommers. Im Flächenmittel des Mühlenkreises gab es nur rund die Hälfte an Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Klimamittel 1961 bis 1990. Somit waren wir Zeugen eines der trockensten Sommer der letzten 130 Jahre. Im August gab es je nach Ort nur ganze 3-5 Tage mit Regenmengen über einem Liter pro Qudratmeter. Die trockensten Region im Mühlenkreis sind rund um Hille und Minden sowie im Raum Stemwede mit gerade einmal 75 bis 95 Liter pro Qudratmeter zu finden, die höchsten Niederschlagsmengen wurden nordöstlich von Petershagen und in einem Streifen von Gehlenbeck bis nach Hüllhorst mit lokal bis zu 180 Liter pro Qudratmeter gemessen, dies aber vor allem aufgrund des Unwetters vom 26. August, das punktuell schon 80 bis 100 Liter pro Qudratmeter einbrachte. Statistisch gesehen ist der August in den letztgenannten Regionen sogar zu nass ausgefallen, aber niemand wird das wohl subjektiv über den Gesamtmonat angesichts von lediglich drei bis fünf Regentagen so empfunden haben. Da das Gewitter vom 26. August auch die Wetterstation in Rahden mit größeren Niederschlagsmengen getroffen hat, wurde hier ein neuer August-Rekord in der Rubrik Trockenheit knapp verfehlt. Dagegen erlebten der Raum Stemwede mit lokal gerade einmal 6 (!) bis 10 Liter pro Qudratmeter sowie die Region Minden mit 9 bis 12 Liter pro Qudratmeter mutmaßlich den trockensten August seit mehr als 130 Jahren. Neue offizielle Rekorde in Sachen Trockenheit für August gab es in Ostwestfalen dagegen an der Wetterstation in Bad Salzuflen (Messbeginn 1935) sowie für den gesamten (!) Sommer in Bremen (Messbeginn 1891, Referenzstation für den gesamten nordwestdeutschen Raum).
Nun ist es sicherlich auch nicht weiter verwunderlich, dass die Sonne diesen Sommer Überstunden bei uns machte. Rund 750 Stunden Sonnenschein sind zusammen gekommen, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem langjährigen Klimamittel.
Von der Großwetterlage her erlebten wir einen von hohem Luftdruck dominierten Sommer, wobei immer wieder Luft aus Nordafrika zu uns strömte. Kühle und nasse Witterungsabschnitte waren deutlich in der Unterzahl und Niederschläge kamen dann meist nur in Schauerform und nicht als länger andauernder, flächiger Landregen. Somit ist es kein Wunder, dass jetzt am Ende des Sommers das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung dem Mühlenkreis nach wie vor das Prädikat „außergewöhnliche Dürre“ bescheinigt.