Volker Steffen (links) und Karl-Christian Ebenau von der Seniorenvertretung Petershagen setzen sich seit über 12 Jahren für die Belange der älteren Generation ein. Foto: Namira McLeod

„Wir wollen ein anderes Stimmungsbild aufbauen“

Petershagen. „Die Seniorinnen und Senioren von heute sind agiler, häufig in Arbeit eingebunden, reisefreundlicher und mobiler als früher“, wissen Karl-Christian Ebenau und Volker Steffen. Die beiden Vorsitzenden der Seniorenvertretung Petershagen wollen die Interessen und Belange der über 60-Jährigen stärker in den Blickpunkt rücken und die Gesellschaft sensibilisieren, näher zusammenzurücken.

„Älteren Menschen geht es vor allem um die Gemeinschaft. Busreisen in der Region sind gut und schön, aber die Region kennen sie schon. Der wirkliche Grund, warum sie daran teilnehmen, ist der persönliche Austausch, das Kennenlernen oder Wiedersehen bei Kaffee und Kuchen“, erläutert Karl-Christian Ebenau, erster Vorsitzender der Seniorenvertretung Petershagen. „Gleichwohl fühlen sich viele abgehängt, gerade in Zeiten von Corona“, ergänzt Stellvertreter Volker Steffen. An diesem Punkt setzt die Seniorenvertretung Petershagen an.

Als Bindeglied zwischen Rat und Menschen im fortgeschrittenen Alter setzt sich das Team seit 2009 ehrenamtlich dafür ein, dass Weiterbildung und Kultur, Freizeit- und Sportangebote, Stadt- und Verkehrsplanung, Wohnen sowie Sozial- und Gesundheitswesen seniorengerecht geplant und umgesetzt wird. „Unser Internetbeauftragter Rüdiger Koslowski, um die vier bis fünf Jahre dabei, leistet dazu seit Januar 2020 einen wichtigen Beitrag, was die Pflege unserer Website www.seniorenvertretung-petershagen.de angeht. Als weitere wichtige Vertreter sind Kassenwartin Gudrun Lehmkuhl und Schriftführer Bernd Wingender zu nennen. Aktuell haben wir acht ordentliche und acht stellvertretende Mitglieder“, zählt Ebenau auf und erwähnt kurz die Anfänge: „Das erste größere Projekt der Seniorenvertretung war die Mitwirkung am Umbau des Lahder Freibads.“ 

„Wir führen das Erbe des mittlerweile verstorbenen ersten Vorsitzenden Rudolf Reich weiter. Vor lauter Arbeit haben wir lediglich vergessen, unser zehnjähriges Jubiläum zu feiern.“ Dann kam Corona – auch für die „Friedewalder Heimatstube“, wo das Interview stattfand. Alle Veranstaltungen mussten auf Eis gelegt werden. Doch davon lassen sich die beiden Seniorenvertreter nicht unterkriegen – im Gegenteil. Zunächst machen sie auf die „Notfall-Karte“ aufmerksam. Man könne nicht oft genug wiederholen, wie wichtig es sei, diese Karte mit sich zu tragen, so Ebenau. Sie passe in jedes Portemonnaie und kann mit allen wichtigen Informationen ausgefüllt werden, die im Notfall vom Rettungsdienst und Arzt benötigt werden.

Sodann habe man vor, sich für die Schaffung von „Generationen-Parkplätzen“ einzusetzen. Um auch Menschen mit zeitlich begrenztem Handikap eine Parkerlaubnis auf öffentlichen Parkplätzen anzubieten, zum Beispiel nach der Operation vor der Apotheke, schlagen Ebenau und Steffen vor, einfach Eltern- und Frauenparkplätze umzubenennen. Finanziert werden könnte dies von Gewerbevereinen und Einkaufszentren.

Der Generationenplatz in Seelenfeld. Foto: Dietmar Meier

„NRW – Hier hat Altwerden Zukunft“ – zu diesem Projekt hat die Seniorenvertretung den „Generationenplatz Seelenfeld“ eingereicht. „Dieser Vorschlag kam von Elke Stünkel aus der Seelenfelder Kulturgemeinschaft. Hinter einer Gaststätte gibt es eine große Wiese, wo ein Platz der Begegnung entstehen soll für alle Altersgruppen. Ein Kommunikationsplatz innerhalb der Stadt Petershagen, wo auch Leute aus Heimen hinfahren können, je nachdem wie die Mobilität der Einzelnen gegeben ist. Das Gasthaus Strahs ist in weitere Überlegungen eingebunden. Dieses Projekt haben wir uns zueigen gemacht.“ „Der Vorschlag an sich kam von der Verwaltung, dann haben wir uns auf den Weg gemacht“, fügt Steffen hinzu. Ebenau weiter: „Wir meinen, dieses Projekt hat durchaus Aussicht auf Erfolg und hoffen auf ein Preisgeld des Landes Nordrhein-Westfalen.“ Auch soll die Fläche in naher Zukunft weiter ausgebaut werden, unter anderem mit einem Trimm-Dich-Pfad. „Corona bremst den Ausbau aktuell aus.“

Des Weiteren habe man bei Verwaltung und Rat die notwendigen „Rettungspunkte“ angestoßen. Hinweisschilder mit QR-Codes und eindeutigen Koordinaten an markanten Stellen mit viel Publikumsverkehr könnten maßgeblich zur Sicherheit der Seniorinnen und Senioren beitragen. Da es dabei einiges zu beachten gibt, wie die Festlegung der Koordinaten und ob die Zuwege auch für Rettungsfahrzeuge passierbar sind, wurden bereits zahlreiche Gespräche mit Akteuren aus dem Mühlenkreis geführt. Stadtbrandmeister Karl Jungcurt habe die Bereitschaft erklärt, mit den Löschgruppen die Rettungspunkte zu unterstützen, ebenso die Ortstbürgermeister. „Insbesondere auf Waldpfaden besteht immer wieder die Gefahr, vom Weg abzukommen. Wer ein Handy mit sich führt, kann so schnell Hilfe rufen. Einfach QR-Code scannen oder Koordinaten abfotografieren, schon wissen Notärzte, wo sich der Mensch gerade befindet“, verdeutlicht Ebenau. Allerdings käme es hier auf das Engagement jedes Einzelnen aus jeder Ortschaft Petershagens an, um das umzusetzen. „Im Vergleich zu Hille haben wir hier sehr weitläufige Landschaften und viele Fahrradtouristen im Sommer. Da ist so etwas einfach wichtig.“

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Auf die Frage, ob ein Handy Voraussetzung ist, von einem Rettungspunkt aus einen Notruf absetzen zu können, antwortet Ebenau: „Nein, muss man nicht dabeihaben. Ich muss nur wissen, wo ich bin. Aber sicherlich ist es gut, wenn ich mit dem Handy schnell Hilfe holen kann. Denn alles läuft bei der Rettungswache Minden zusammen, die koordiniert das. Und ich gehe davon aus, die meisten haben ein Handy dabei und können mit Apps umgehen. Oder man wählt die angegebene Telefonnummer und gibt im Telefonat die Ziffer des Rettungspunkts an. Ohne Handy oder dort, wo kein Empfang ist, kann im Zweifel ein vorbeikommender Dritter helfen.“

Wer noch Berührungsängste hat, was Handys oder Smartphones angeht, dem kann im Normalfall ein Grundlagenkurs an der Volkshochschule (VHS) helfen. Da aber nicht jeder ältere Mensch den Weg nach Bad Oeynhausen oder Minden beschreiten kann, sind seitens der Seniorenvertretung bereits Kooperationsgespräche mit der VHS geführt worden. Ein Vorschlag wäre, „EDV-Grundlagenkurse in Petershagen nach Bedarf“ anzubieten rund um die Bedienung von Smartphones, Tablets sowie die Einführung in Videokonferenzen.

In einer der nächsten Präsenzveranstaltungen der Seniorenvertretung ist ein Vortrag von Polizeihauptkommissar und Leiter des Bezirksdienstes Lahde, Patrick Bieck, zur Sicherheit in den Ortschaften der Stadt Petershagen geplant.

Als letzten Punkt nennen Steffen und Ebenau die Geschäftsaufgabe der Firma Heineking zum Ende des Jahres 2020 und damit den Wegfall der beliebten Verkaufswagen. Insbesondere Heimbewohner würden die mobilen Kaufläden vermissen, aber auch Familien und Alleinstehende auf dem Lande. Nicht nur, weil Heineking immer Frisches anzubieten hatte, sondern der Kommunikation wegen. Diesbezüglich sind Gespräche mit der Firma Röthemeier über ein entsprechend neues Konzept geplant.

„Wir sind da dran“, betonen beide Gesprächspartner. „Denn das Wichtigste ist Kommunikation. Kommunikation beginnt mit Menschen. Ohne Kommunikation verstummen unsere Seniorinnen und Senioren. Kurzum: Wir von der Seniorenvertretung möchten mit unserem Einsatz Jung und Alt zusammenbringen, ein anderes Stimmungsbild aufbauen, damit sich jeder Mensch in Petershagen gut aufgehoben fühlt.“

Text und Foto: Namira McLeod